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„Die Stadtratsfraktion informiert, von Prof. Dr. Bernd Richter (Frei Wähler)

Dieter Reif
17.08.2012

Artikel Wochenspiegel Saarbrücken vom 15.August 2012 – „Die Stadtratsfraktion informiert,
Prof. Dr. Bernd Richter (Frei Wähler)
Wasserverkehrsweg Saar

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Bernd Richter, danke das Sie das Thema „Saar als Verkehrsweg“ aufgenommen haben. Leider sind ihnen jedoch bei der Recherche einige Fehler unterlaufen oder welches Pferd hat Sie geritten.
Die Saar ist eine Bundeswasserstraße der „Klasse Vb“ und ausgebaut. Diese Klassifizierung beinhaltet den Ausbauquerschnitt der Wasserstraße und den größten Schiffstyp der die Wasserstraße befahren kann bzw. darf.
Im Falle der Saar sind dies Regelschiffe:
a) Europaschiff - Länge 80 m, Breite 9,50 m, Tiefgang 2,50 m, Tragfähigkeit 1.350 t
b) Schubverband - Länge bis 185 m, Breite 11,40, Tiefgang 2,50m, Tragfähigkeit 3.300
c) Wie b) jedoch bis 6.000 t im Ausnahmefall.
Der Ausbauquerschnitt Klasse Vb entspricht auf der Saar:

Strecke Hostenbach-Saarbrücken:
Trapezquerschnitt Wasserbreite mind. 39,00 m Wassertiefe 3,50 m
Rechteckquerschnitt Wasserbreite 32,00 m Wassertiefe 3,50 m
Strecke Konz-Hostenbach:
Trapezquerschnitt Wasserbreite mind. 55 m Wassertiefe 3,50 m bis 4,00 m
Rechteckquerschnitt Wasserbreite 42,00 m Wassertiefe 4,00 m

Im Fall der Saar sind dies Schubverbände mit einer Länge von zu bis 185,00 m (zwei Leichter hintereinander), einer Breite von 11,40 m und einem Tiefgang zwischen 2,50m bis 4,00, m die in Saarbrücken bis an die Luisenbrücke fahren könnten.

Zwischenzeitlich werden aber auch als neuster Schiffstyp auf der Saar 135 Meterschiffe eingesetzt. Länge 135,0 × Breite 17,0 × Tiefgang 3,50 m, Ladevermögen: 5.300 Tonnen. Diese können jedoch nur zwischen Konz und Hostenbach verkehren, was diese aber nicht tun, sondern dieser Schiffstyp fährt zum be- und entladen in den Dillinger Hafen.

Schiffe im Gegenverkehr müssen auf der Saar teilweise warten, da die Kurven für eine Schiffsbreite von 17,00 m im Gegenverkehr nicht ausgelegt sind.

Binnenschiffe mit 135 m Länge und 16,50 m Breite können bis zu sechs Container nebeneinander in fünf Lagen stauen, das entspricht einer Ladekapazität von 470 TEU. Diese Schiffe wurden speziell für die Containerfahrt entwickelt und gebaut. Durch fest installierte Cellguides sind sie jedoch für konventionelle Ladung nicht mehr geeignet.

Auf der Saar verkehren aber auch Containerschiffe bis zu 110 m Länge und 11,40 m Breite, die vier Container nebeneinander in vier Lagen laden und dadurch bis zu 208 TEU transportieren können.

Grundsätzlich können Container in jedem Trockengüterbinnenschiff befördert werden, zu beachten ist lediglich die nötige Stabilität des Schiffes bei mehrlagiger Stauung. Außerdem muss das Steuerhaus so konstruiert sein, dass es über die Höhe der Container hinaus gefahren werden kann.

Übrigens Ein 20-Fuß-ISO-Container ist gleich 1 TEU, ein 40-Fuß-ISO-Container entspricht 2 TEU.

Somit kann ein Auflieger-LKW (Sattelzug) 2 TEU transportieren, was bei einem 110 m Schiff = 104 LKW und bei einem 135 m Schiff = 235 LKW entsprechen würde.

Rechnet man die 104 Lkw hintereinander zuzüglich 50 m Sicherheitsabstand so ergeben sich 104 x 18 m + 103 x 50 m = 7.022 m, also über einen 7 km Autobahnabschnitt wird benötigt um die Container eines einzigen 110 m Schiffes. Gleichzeitig verbraucht ein Schiff nur ca. 25 % an Treibstoff gegenüber dem LKW.

Ab der Luisenbrücke in Saarbrücken dürfen und können nur noch Schiffe der Klasse 0 bzw. I verkehren. Dies sind sogenannte Peniche. Hotelschiffe mit bis zu 110 m Länge können mit Ausnahmegenehmigung bis vor die „Alte Brücke“ im Unterwasser fahren und auf der rechten Seite festmachen.

Bis zum „Osthafen“ könnten max. ungeladene 85 m Schiffe fahren. Wollen Sie mit einem 110 m Schiff zum „Osthafen“ müssen sie nicht nur die Saar ab der Luisenbrücke vertiefen, die ist nur max. 2,5 m tief, sondern sie müssten zusätzlich zur „Alten Brücke“ auch noch Teile der Bismarkbrücke einschließlich Kreisel abreißen. Diese Schiffe können den Saarbogen nicht durchfahren und die Saar müsste parallel zur Autobahn mit einer Breite von 55 m durchstochen werden. Aber das ist ja nicht so schlimm.

Aber was wollen denn diese Schiffe eigentlich in den „Daarler Wiesen“? Da ist ein Naturschutzgebiet und kein Hafen und schon lange kein Flughafen mehr; oder wollen Sie hier ein Containerterminal zum Beladen von Bahn und LKW herstellen?

Haben Sie oder Ihr Schreiberling eigentlich Verwandte in Schilda?
Saarbrücken ist einfach lebenswert!

 
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