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Mari Boine auf Tournee in D

Stefan Vieregg
01.11.2010

Mari Boine wurde zur Stimme der Sámi, kämpfte für ihre Rechte, machte auf ihr Leben, ihr schützenswertes Dasein aufmerksam. Sie wurde zusehends politischer und kämpferischer. "In meinen Liedern kann ich den Schmerz der Beklemmung, des Kampfes ausdrücken, um Selbstachtung, aber auch die Heiterkeit wiedergewinnen, in einer Kultur aufzuwachsen, die eine ganz große Nähe zur Natur hat."
Den Einstieg in ihr Abendprogramm gestaltete Marie Boine im Kammgarn Kaiserslautern über traditionellen Sámi-Gesang, da die Technik scheinbar kurz den Dienst versagte. Sie scherzte noch, dass der ganze Abend eine folkloristische Veranstaltung werden würde. Danach ging es jedoch mit der bekannten Power und Präsenz los.
Mari Boine und Band ist in der Lage, aus und mit archaischen Rhythmen und Lauten eine konzertante Ekstase mit Percussion, traditioneller ovaler Sámi-Handtrommel, die an das keltische Bóron erinnert, Jazztrompete, Bassguitar und traditioneller samischer Laute zu generieren, die die Leute fast magisch auf die Beine stellt. Und wie die Paradiesvogelfrau sagte: "Normalerweise wird in Jazzclubs nicht getanzt, bei mir jedoch immer. Deswegen fühlen Sie sich frei zu tanzen, wenn Ihnen danach ist." Und sie bot mit ihrer Repertoirebreite von 1986 bis zum allerneuesten Song genug Gelegenheit dazu.
Bei jedem Song lauern die Zuschauer darauf, dass sich wieder einer dieser orgiastischen Schamanenhöhenflüge ereignet, der jeden in den Bann zieht, der einem ein massives und fundamentales Erdungsgefühl verschafft, obwohl sehr viele Lieder sich mit des Vogels Flug beschäftigen. Phänomenal ihr Stück über die Adler, die sich kraftvoll und immer weiter steigernd in die Höhe schwingen, ein Traum ihr Lied über den Paradiesvogel, als dessen Frau sie sich sieht, Mari, die Paradiesvogelfrau, alljährlich im Mai auf dem Weg von den Küsten Südafrikas in die dreimonatige Mittsommernacht des hohen Nordens und wieder zurück. Schlafend im Flug, fast getragen von unsichtbaren Händen der Götter fliegen die Paradiesvögel die Tausenden von Kilometern, um den grandiosen Reiz des Nordens einmal im Jahr zu erleben. Den Flug des Vogels tanzend tritt Mari Boine demonstrativ vor die Techniklinie und suggeriert den endlosen Flug, die Kraft und Anstrengung. Der Vogel, der trotz seiner majestätischen Gelassenheit sehr verärgert reagiert, wenn man seine Kinder angreift... Ihre neue CD heißt auch so: Sterna Paradisea.
Das fulminante und gewaltige Adlerlied von 1986 muss wohl auch im Kontext der Atomkatastrophe von Tschnerobyl gesehen werden, bei der über 70.000 Rentiere südlich des Polarkreises radioaktiv verseucht wurden. Die Regierungen versprachen Entschädigungen, die jedoch weit niedriger ausfielen als benötigt. Eine weitere riesige und äußerst gefährliche Bedrohung des samischen Lebensraumes.
Konzerte von und mit Mari Boine zählen zu den seltenen und einzigartigen Begegnungen mit dem pulsierenden Herz der Natur.

Foto: Armin Ferger, St. Wendel

Vollversion bei viereggtext:
http://viereggtext.blogspot.com/2010/11/musik-mari-boine-sterna-paradisea-die.html


Weitere Infos

http://community.zeit.de/user/stefan-vieregg/beitrag/2010/11/01/mystische-h%C3%B6henfl%C3%BCge-mit-mari-boine
 
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