CINEBLOG - Film und dieses & jenes, von Tobias Kessler
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Sven Ratzke über David Bowie und seine Show "Starman"
1 September 2016, 15:16

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2009 gewann der deutsch-niederländische Entertainer Sven Ratzke (38) die St. Ingberter Pfanne. Am Freitag eröffnet er die Woche der Kleinkunst mit seinem international erfolgreichen Programm „Starman“, einer Hommage an David Bowie, die sich nicht als Imitations-Show versteht. Vorab ein Interview, geführt per e-mail.

Wo waren Sie, als Sie die Todesnachricht David Bowies gehört haben? Wie war das für Sie?

Ich war zuhause als morgens um 7.00 Uhr mein Telefon klingelte und ein Freund mir erzählte, dass Bowie gestorben sei. Zuerst dachte ich, dass er einen schlechten Scherz macht, aber dann klingelte das Telefon ununterbrochen. Presse, Freunde, Theater – alle riefen mich an. Abends haben wir dann in einer großen TV Sendung in Holland „Heroes“ gesungen. Erst am nächsten Tag hatte ich Zeit um überhaupt richtig zu verstehen, dass Bowie nicht mehr am Leben ist. Die erste Show danach war für mich sehr schwer.

Wie waben Sie die Show konzipiert?

Ich habe viel über ihn gelesen und viel für diese Show recherchiert. Wenn man sich mit einer Legende wie Bowie befasst muss man, so finde ich, alles über diesen Menschen wissen, egal ob man es dann für die Show verwendet oder nicht. Ich habe auch viele Menschen getroffen, die mit ihm gearbeitet haben und seine Freunde waren. Es haben auch Musiker, die 30 Jahre lang mit ihm gearbeitet haben, auf meiner Platte gespielt. So kam er mir immer näher, es war also für mich so als ob ich ihn ein wenig gekannt hätte. Als er starb, fühlte es sich so an als ob ich einen Freund verloren hätte. Viele von Bowies Freunden haben dieses Jahr auch unsere Show in New York gesehen und meinten, dass es ihm bestimmt gefallen hätte.

Welche Bedeutung hatte Bowie musikalisch für Sie?

Bowie war für mich immer gegenwärtig und auch wenn ich mich eher nicht als Fan bezeichnen würde, war ich ein großer Bewunderer von ihm. Der größte Einfluss, den Bowie auf mich hatte war Risikos einzugehen und nie stehen zu bleiben, sondern sich immer neu zu erfinden. Das ist auch mein Motto.

Bowie hat das Androgyne in die Rockmusik gebracht. Das machte ihn zum Helden für viele, die sich im klassischen Konzept „Authentischer Rock für Heteros“ nicht wiederfanden. Sehen Sie das auch so?

Bowie hat meiner Meinung nach den modernen Popstar erfunden. Er war rätselhaft, glamourös, intellektuell – er hat quasi eine neue Gruppe Menschen angesprochen. Deshalb war er auch so ungemein beliebt, er war ein Wegbegleiter für alle, die anders sein wollten und hat ihnen Mut gemacht. Weil er nur das gemacht hat was er machen wollte und sich von der Masse nicht hat beeinflussen lassen.

Was hat sich für Sie als Interpret der Musik Bowies geändert, jetzt, da der Künstler tot ist?

Es ist noch wichtiger geworden, die Show zu machen. Durch seinen Tod hat die Show natürlich auch eine andere Ebene bekommen. Ein Unterschied ist beispielsweise, dass ursprünglich sein Name nie genannt wurde. Jetzt nenne ich seinen Namen zu einem Zeitpunkt, an dem ich über Sterne spreche, die auch unsere verstorbenen Helden sein könnten, Lennon, Lou Reed, Elvis… da ist Bowie jetzt auch dabei.
Wie nötig ist es für Sie, sehr oft gehörte Stücke anders zu interpretieren?

Ihre Version von „Heroes“ ist ganz anders als Bowies Fassung und erinnert fast schon an Scott Walker.

Warum sollte ich die Musik eins zu eins nachahmen? Meine Show ist keine Tribut oder Imitations-Show. Es ist eine Ratzke-Show mit der Musik von Bowie und ich zeige wie genial seine Musik ist. Denn nur gute Musik kann man sich zu eigen machen und sie neu erzählen. Und das ist spannend und aufregend – das finden auch größten Bowie Fans überall auf der Welt, die sich freuen die Songs mal ganz anders und neu zu hören. Dazu kommt dann auch, dass wir eigene Songs in das Programm aufgenommen haben.

Wäre Scott Walker auch ein Thema für eine Hommage?

Ja, er ist auch so ein einzigartiger Künstler. Aber das nächste Projekt wird erstmal nur Ratzke, etwas ganz eigenes.

Ihre "Starman"-Show bezieht sich am stärksten auf den Bowie der frühen 70er Jahre, auf die bunten Charaktere Ziggy Stardust und Alladin Sane. Warum?

Weil die Bowies der 70er ein großes Rätsel waren. Es gab immer wieder neue Charaktere und Masken, wie bei einer Oper. Es war nicht erkennbar, was wahr und was erfunden ist. Das ist Theater und es fasziniert mich enorm.

Sind das für Sie auch die musikalisch interessantesten Phasen? Oder ist das doch eher die Berlin-Trilogie?

Ich denke, dass alles gleich wichtig ist, weil das Eine aus dem Anderen entstanden ist. Aber wenn ich mich für einen Anfangspunkt entscheiden müsste, würde ich Ziggy sagen.

Ganz praktisch gefragt – kann man einfach so eine Show mit Bowie-Musik planen? Oder mussten Sie sich da eine Erlaubnis bei seinem Management einholen?

Er hat uns eine Genehmigung gegeben nachdem er mich gehört hat und er hat auch kurz vor seinem Tod unsere Platte bekommen. Sein Segen war mir sehr wichtig und er schaut jeden Abend von dort oben auf uns herunter, das weiß ich.



Termin: Freitag, 20 Uhr, Stadthalle St. Ingbert. Karten im Rathaus, an der Abendkasse und an allen Reservix-VVK-Stellen.

Das Pressefoto stammt von Hanneke Wetzer.




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