CINEBLOG - Film und dieses & jenes, von Tobias Kessler
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Heute Uraufführung des Films „Feinde/Brüder“ in Saarbrücken
4 Juni 2013, 12:42

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Der Film „Feinde/Brüder“ erzählt von deutschen Kriegsgefangenen in Japan. Heute wird die Dokumentation, die von der Saarländischen Filmförderung unterstützt wurde, im Saarbrücker Kino Achteinhalb uraufgeführt. Die Regisseurin Brigitte Krause und Takeshi Nakane, Japanischer Botschafter in Deutschland, sind dabei.

Japanische Kinder singen „Freude schöner Götterfunke“. Ein japanischer Bäcker knetet Brotteig nach deutschem Rezept. Unübersehbar haben die deutschen Kriegsgefangenen im Dorf Bando (heute Naruto), die vor fast 100 Jahren hier waren, ihre Spuren hinterlassen.

Der Dokumentarfilm „Feinde/Brüder“ erzählt ihre Geschichte – eine ungewöhnliche und wenig repräsentative. 1914 greift im Ersten Weltkrieg das mit England verbündete Japan die deutsche Kolonie Tsingtau in China an. 5000 deutsche und verbündete Soldaten geraten nach ihrer Kapitulation in japanische Gefangenschaft. 900 von ihnen werden nahe dem Dorf Bando in einem Lager untergebracht – Matsue Toyohisa führt es, ein Mann, der Verständnis aufbringt für seine Gefangenen und ihnen ein humanes, sogar kulturell reges Leben ermöglicht: mit Lagerzeitung, Theater, Konzerten. Ein vergleichsweise reicher Austausch zwischen den Gefangenen und den Dorfbewohnern beginnt. Heute ist Bando in Japan ein Symbol von Verständigung und der deutsch-japanischen Freundschaft. „Feinde/Brüder“ erzählt das sehr persönlich und behutsam, es geht um Vergangenheit und auch die Gegenwart, um deutsch-japanische Familienbande, die in Bando begannen und zerrissen, als die Soldaten 1920 wieder in die Heimat gebracht wurden.

Gedreht hat den sehenswerten Film die Regisseurin Brigitte Krause. Zehn Jahre hat sie in Japan gelebt und dort einen deutsch-japanischen Freundschaftsverein gegründet. Sie sucht, sagt sie, „immer wieder Themen des Gemeinsamen“. 2006 wurde sie fündig, als sie einen Spielfilm über das Lager sah. Die Recherchen führten sie nach Heusweiler: zu Hans-Joachim Schmidt (Foto), der sich – nach einem zufälligen Dachbodenfund von Briefen eines ehemaligen Gefangenen – intensiv mit der Historie des Lager befasst. „Er hat ein unglaubliches Wissen“, sagt Krause, zudem könne er wunderbar „erzählen und erklären“. So wurde er zum Ausgangspunkt des Films, der sich bewusst nicht wie eine klassische historische Darstellung ausnimmt. „Ein Film muss auf persönlicher Ebene packen, den Figuren muss man 80 Minuten lang folgen wollen“, sagt Krause. „Wenn ich nur Inhalt habe, kann ich ja auch ein Buch schreiben.“

War das vergleichsweise gute Leben im Lager eine Ausnahme? „Ich denke ja. Es war ein Glücksfall, dass der Lagerleiter das zugelassen hat.“ Repräsentativ für diese Zeit ist das nicht. „Angesichts dieser zwei wahnsinnigen Kriege, angesichts des ganzen Grauens macht man sich ohnehin Gedanken, ob man so einen Film überhaupt machen darf.“ Doch für Krause „ist es immer wieder gut, die Menschen an ihre positiven Seiten zu erinnern. Es gab damals Menschen, die etwas anders gemacht haben.“

Der Kontakt zum Saarland durch Forscher Schmidt hatte einen weiteren Vorteil: Jörg Witte vom Saarländischen Filmbüro empfahl Krause die hiesige Filmförderung. „Da ich eine Hauptfigur aus dem Saarland habe, hat sich das angeboten.“ Neben der Unterstützung der Saarland Medien gab es noch Gelder von der Japan Foundation, insgesamt war die Finanzierung aber „sehr sehr schwer, die schwerste bisher für mich“. Denn nach der Katastrophe von Fukushima „waren keine Gelder mehr zu bekommen in Europa. Das muss man verstehen, unser Thema war da für alle Gremien nebensächlich.“ Doch Krause konnte nicht mehr länger warten, sonst wären die bereits bewilligten Förderungen verfallen. „Es ist immer so – entweder hat man Zeit oder Geld, aber beides gleichzeitig nie.“ Also wurde, wie allzu oft bei ambitionierten Projekten, auf „Rückstellung“ gearbeitet: Honorar gibt es erst, wenn der Film seine Produktionskosten eingespielt hat.

Zu hören sind im Film zwei bekannte Erzählerstimmen: Saskia Petzold und Boris Pietsch vom Saarländischen Staatstheater; auch eine Empfehlung des Filmbüros, das wusste, dass Krause, die in einem früheren Film Hannelore Hoger als Erzählerin einsetzte, sich generell keine üblichen Sprecher wünscht, „sondern Schauspieler, die meist einen frischeren Zugang zu Texten haben. Beide waren genau die Richtigen.“ Nun einen Sender zu finden, ist schwer. „Ich hatte schon Kontakt zum SR, aber die haben wohl nicht genug Sendeplätze für solche Filme.“ Jetzt will Krause den Film anderen Sendern anbieten wie 3sat und Arte. „Es ist nicht einfach, da solche Filme, wie ich und einige andere sie machen, etwas sehr Individuelles sind. Sie passen in die gängigen TV-Schienen nicht mehr hinein.“

Termine: Heute, 19 Uhr, und morgen, 20 Uhr, im Kino Achteinhalb (Sb). Brigitte Krause kommt zu beiden Terminen zur Diskussion. Begleitend ist im N.N. ab morgen für eine Woche eine Ausstellung zum Film zu sehen, die von Olaf Welling gestaltet ist. Er bietet morgen um 19 Uhr eine Führung durch die Ausstellung an, mit einer Lesung von Frank Heidrich.

Forscher Hans-Joachim Schmidt spricht am Donnerstag, 19 Uhr, im N.N. (Nauwieser 19) über „Die Verteidiger von Tsingtau und ihre Gefangenschaft in Japan“.

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