CINEBLOG - Film und dieses & jenes, von Tobias Kessler
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Nachschlag: So war die Günter Rohrbach Preisverleihung
20 November 2011, 11:16

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Ein exzellenter Einstand: Am Freitag wurde zum ersten Mal der Günter Rohrbach Filmpreis der Stadt Neunkirchen verliehen. Es war ein Abend der klug vergebenen Auszeichnungen: Regisseur Christoph Hochhäusler erhielt für seinen Film „Unter dir die Stadt“ den mit 10000 Euro dotierten Hauptpreis, seine Hauptdarstellerin Nicolette Krebitz den Darstellerpreis (5000 Euro). Der Sonderpreis des Oberbürgermeisters (2500 Euro) ging an Schauspielerin Anna Loos für den Film „Die Lehrerin“.

Hätte es einen Preis für die beste Rede des Abends gegeben – wen hätte man prämieren müssen? Regisseur Dominik Graf, dessen Laudatio an Christoph Hochhäusler und Nicolette Krebitz, Regisseur und Hauptdarstellerin von „Unter dir die Stadt“, eine verbale Liebesehe war von Hommage, genauester Filmbetrachtung und bildreichem Text? Oder Günter Rohrbach, der in seiner berührenden Rede eine Brücke schlug ins Neunkirchen seiner Kindheit, der rauchenden Schlote und der ersten Begegnungen mit dem Kino?
Es war ein guter, cineastisch oft herzerwärmender Freitagabend im Neunkircher Bürgerhaus, wo zum ersten Mal der Günter Rohrbach Preis verliehen wurde, eine Auszeichnung der Stadt für einen deutschen Film, der sich mit der Arbeitswelt beschäftigt. Dass sich die Jury, darunter Rohrbach und die verhinderte, deshalb per Videobotschaft grüßende Senta Berger, ausgerechnet für „Unter dir die Stadt“ entschieden hat, müsste diesem neuen Preis aus dem in der Filmwelt weniger bekannten Neunkirchen bundesweit gutes Renommee bescheren: Ist Hochhäuslers eigenwilliger Film (siehe Infokasten) doch ein vom großen Publikum übersehenes Meisterstück – somit die Wahl eine kluge Entscheidung und das Gegenteil eines Versuchs, durch die Prämierung eines Konsensfilms ein wenig Prominenz ins Saarland zu locken.
Nur: Jeder Preis kann von seiner Verleihungszeremonie torpediert werden, durch geblähte Politikerreden, holprige Künstlerdanksagungen, erkaufte Sponsorenauftritte. Diesem Schicksal entging der Abend. Ein kurzer Film mit Ausschnitten aus Rohrbachs Produktionen machte noch einmal die enorme Bedeutung des Neunkirchers deutlich, der eben nicht nur „Das Boot“ und „Die unendliche Geschichte“ auf den Weg brachte, sondern auch Fassbinder förderte, ebenso Sperriges wie Breitenwirksames mit Anspruch ins Kino brachte. Oberbürgermeister Jürgen Fried, der in seiner Rede bekannte, Rohrbach sei anfangs von der Idee des Filmpreises wegen des Risikos des Pompösen wenig begeistert gewesen, zitierte Theatermann Peter Zadek, für den Rohrbach eine Wichtigkeit besitze, „die heute niemand mehr begreift. Alles, was im jungen deutschen Film passierte, lief über seinen Tisch und hatte seine Hilfe und seine Unterstützung.“ Rohrbach, 83, relativierte in seiner lange beklatschten Rede das Wort vom „berühmtesten Sohn der Stadt“; es gebe sicher verdientere, die aber eben in einem nicht derart sichtbaren Bereich gearbeitet hätten. Seinen Namen jetzt auf einem großen Plakat zu lesen, stimme ihn „etwas genierlich“. Von diesem Gefühl erholen konnte er sich beim inspirierten musikalischen Programm: Sängerin Andrea Reichhart und das Martin Preiser Trio gossen Musik aus Rohrbach-Filmen in jazzige Formen. Höhepunkt war eine tiefstimmige Scat-Version des instrumentalen Klaus-Doldinger-Themas von „Das Boot“.
Vor dem Haupt- und dem Darstellerpreis verlieh Jürgen Fried den „Sonderpreis des Oberbürgermeisters“, dotiert mit 2500 Euro an Anna Loos. Die spielt im Film „Die Lehrerin“ (einer der fünf Preisfinalisten, 2012 im Fernsehen) eine Pädagogin in der Krise und bekam im Bürgerhaus gleich noch eine Torte dazu, hatte sie doch Geburtstag.
Durch den Abend führt die arte-Moderatorin Dörthe Eickelberg, charmant, wenn auch manchmal („ich bin schon so gespannt“) in der Gefahr des Plaudertaschigen. Die drohte ihm nicht: Dominik Graf, einem der wichtigsten Regisseure Deutschlands, dessen Anwesenheit bei diesem Filmpreis durchaus eine kleine Sensation war – und wohl auch Zeichen seiner Verbundenheit einerseits mit Rohrbach, der viele seiner Filme produzierte („Die Katze“, „Die Sieger“) und mit Hochhäusler: Mit ihm (und Christian Petzold) hatte Graf jüngst das TV-Experiment „Dreileben“ gewagt. Seine bildreiche Doppellaudatio an Hochhäusler/Krebitz war eine Freude, ebenso wie Krebitz‘ Dankesrede, in der sie bekannte, „Unter dir die Stadt“ habe ihr die „erste ernsthafte Hauptrolle seit zehn Jahren“ geboten. Hochhäusler dankte und verwies am Ende auf den für ihn größten Saarländer überhaupt: Regisseur Max Ophüls. Dessen Film „Brief einer Unbekannten“ solle man sich, falls noch nicht geschehen, einmal ansehen.

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