Gipfelstürmer und Alpenträume
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EM-Rückblicke am Abgrund
2 Juli 2008, 10:06
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Dieser Blog „läuft“ seit 40 Tagen, sie lesen Eintrag Nummer 18, die EM ist längst vorbei, ich kann keine Berge mehr sehen. Deutschland muss rückblickend trotzdem zufrieden sein. Auch ich. Mit Deutschland, mit der EM, dem Blog und mit den Bergen.
Gehen wir diesen persönlichen Rückblick mal analytisch an. Dazu leihen wir uns das Gehirn des deutschen Spielbeobachter Urs Siegentaler der Schweizer ist. Nur wenn sein Name fällt, fallen bei mir sofort folgende Zahlen in die Tastatur: 4-4-2 und 4-2-3-1. Die meisten Kollegen im Pressezentrum in Tenero konnten diese System-Ziffern nicht mehr hören. Schreiben mussten sie sie in etwa 80 Mal. Ein Kollege erzählte mir, dass er sich einmal vertippt hatte und in seinen Text hakte: 4-3-4-1. Zwölf Spieler: Niemanden fiel es auf. Nicht dem Autor, nicht der Redaktion – und auch kein Leser hat angerufen und gefragt, ob denn ihr Mann vor Ort über eine andere Sportart schreibt. Meine EM-Schreckenszahlen heißen: 6000, 5, 1200, 1600, 1,34 Millionen und 2. Knapp 6000 Kilometer im Auto, in fünf verschiedenen Betten geschlafen, im Zug auch (allerdings ohne Bett/1200 Kilometer), im Flieger nicht (1600 Kilometer). Und vor allem 1,34 Millionen Berge. Mal mit tollem Tunnel, mal mit gesperrtem Tunnel.
Zwei Mal mussten wir nachts um 2 Uhr den Gotthard-Pass queren. Von Basel anrollend, ein Spiel in den Knochen, 20 Grad Celsius Außentemperatur und einen 2100 Meter hohen Bergpass unter den Rädern. Zwei Mal das gleiche Prozedere. Verfahren bei der Anfahrt, Anfahrt finden und zunächst mal durch Nebel. Sehr lange durch Nebel, immer bergauf. Serpentinenkurven. Solche, vor denen der Auto-Bergsteiger überlegt, ob er vor dem Durchfahren hupen muss, damit der Gegenverkehr Bescheid weiß, dass da noch einer in der Kurve ist. Der Abhang ist mal Links mal Rechts, nur zu sehen ist er nicht. Er liegt im Dunkeln oder im Nebel - und lauert. Dann fährt man durch Wolken, und zwar sehr lange. In den Wolken überholen gerne Tessiner, die anscheinend ne Wette laufen haben, wer von Ihnen als erster den Pass mit seinem Auto mit 100 Stundenkilometern im Schnitt überquert. Lebend. Die Wett-Teilnehmer überholen auch gerne in der Kurve. Dann fährt man wieder durch Wolken, ehe sich der Berg bei 10 Grad Außentemperatur neigt und es wieder hinab zum tiefsten Punkt der Schweiz geht. Zum Lago de Maggiore. Ins Trainingslager. Irgendwann nervte das. Die Berge musst du nicht immer haben, sagt mir irgendeine dumpfe Zelle meines Hirns. Doch wir haben uns ja das Hirn von Urs Siegtaler geliehen. Das mag natürlich Berge und das sagt uns: Merk dir das, das muss du behalten ein Leben lang. Die Spiele hast du eh alle auf DVD.
Die waren eh leicht zu analysieren: Gegen Polen: gut. Kroatien: schlecht. Österreich:Ballack gehabt. Portugal: close to perfect. Türkei: Schweini gehabt. Finale: Spanien gehabt. Und das mit einen Bundestrainer in diesem Blog, der vier Mal „Das Ich“ hieß. Ein hundsgemeiner Kerl. Hat sogar den Ernst Happel ausgegraben. Er hat zu Recht versagt im Finale. Ich habe die Spiele im Stadion gesehen, ein Traum, der meist ein stressiger war, da ich live texten musste. Das schlaucht auf Dauer. Aber wieder sagt uns das Ursi-Hirn: Merk dir das - fürs Leben. Solche Beobachtungen können wertvoll sein.
Ich habe beobachtet, dass die deutsche Mannschaft gerne schön spielen will, was löblich ist. Ich habe gesehen, dass sie nur einmal schön spielte, was verbesserungswürdig ist. Ich habe gesehen, dass die deutsche Mannschaft Vizeeuropameister und verbesserungsfähig ist, was mich mehr als zufrieden stimmt. Doch nicht nur mich. Auch mein türkischer Kebabbäcker ist zufrieden mit der deutschen Mannschaft. Also muss auch Deutschland zufrieden sein mit dieser EM. Und was sagt uns das Hirn von Herrn Siegentaler zum Ende dieses Blogs? Hallo, Herr Siegentaler? Schweizer Gehirn, bitte melden. Ach so, das sagen sie. Er sagt: „Berge sind schön“. Und: „4-2-3-1“. Danke dafür.

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