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Von SZ-Chefredakteur Peter Stefan Herbst
Deutschland hat die Krise besser gemeistert als seine europäischen Nachbarn. Die teuren Kurzarbeitsregelungen haben sich bezahlt gemacht und den Arbeitsmarkt stabilisiert. Viele Unternehmen mussten ihre Fachkräfte nicht entlassen, auf die sie jetzt im Aufschwung wieder dringend angewiesen sind. Vor allem der Export boomt. Mitarbeiter von Unternehmen, die wieder steigende Gewinne verbuchen, haben ihren Anteil am Erfolg nach Jahren der Lohnzurückhaltung mehr als verdient. Deutschland ist im europäischen Vergleich schon lange kein Hochlohnland mehr. Man mag den Vorwurf des „Lohn-Dumpings“ vom luxemburgischen Premierminister Jean-Claude Juncker für überzogen halten. Völlig falsch ist er nicht. Dass es in Deutschland Firmen gibt, die ihren Mitarbeitern für harte Arbeit weniger zahlen, als diese für ein menschenwürdiges Leben benötigen, ist und bleibt ein Skandal. Die immer teurere Aufstockung von Niedrigstlöhnen durch den Staat wird letztlich durch uns Steuerzahler finanziert. Ein Arbeitgeber, der dies bewusst einkalkuliert, ist kein Unternehmer, sondern ein Schmarotzer.
Höhere Löhne liegen übrigens auch im elementaren Interesse aller Unternehmer, die ihre Geschäfte nicht mit Exporten machen, sondern für ihre Produkte oder Dienstleistungen tagtäglich Käufer in Deutschland finden müssen. Wir brauchen gerade in der aktuellen Situation durch angemessene Lohnerhöhungen in den Boom-Branchen und deutliche Korrekturen im Niedriglohnsektor eine nachhaltige Stärkung der Binnennachfrage, damit wir auch die nächste Krise gut überstehen.