Gipfelstürmer und Alpenträume
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Autor:  MichaelKipp
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Kommentierter Beitrag

Schreiben ist schreiben ist schreiben ist schreiben. Wer nicht schreibt, schreibt nicht und ich habe nun schon länger nichts mehr geschrieben - hier an dieser Stelle. Das liegt jetzt nicht daran, dass ich nichts zu schreiben wüsste, mir fehlt oft die Zeit. Zum Schreiben an dieser Stelle. „Jammer net, Kipp“, mögen sie jetzt ihrem Bildschirm sagen. Zu Recht, aber die vergangenen Tage waren hart. Da war zum Beispiel diese Reise. Diesmal nach Basel. Ich bin dort natürlich hingefahren, um zu schreiben. Über dieses Spiel der Deutschen gegen die Fado-Brüder. Der Text lief flüssig, ich war bereits in der 76. Minute fertig, das Spiel aber noch nicht und so musste ich am Schluss noch ein Tor reintippen, ehe wir nach der Pressekonferenz zurückfuhren. Einmal quer durch die Schweiz zurück nach Ascona. Während der Fahrt hat mein Kollege für die Online-Ausgabe eines Magazins geschrieben, in dessen Verwandten sie jeden Morgen reinschauen und denken: „Unglaublich geil“. (Dieser vergangene Satz ist ein Schreibrätsel. Wenn sie genau überlegen, werden sie herausfinden, für welches Magazin er schreibt und wenn sie dessen Online-Ausgabe finden, finden sie dort auch seine Kolumnen, die sehr lesenswert sind. Wenn nicht, haben Sie Pech gehabt).
Wir haben während der Fahrt festgestellt, dass wir bisher knappe 6000 Kilometer gemeinsam im Auto gesessen sind und oft über das Schreiben an sich geschrieben, äh gesprochen haben. Als wir so über einen Pass fuhren, weil irgendein großer Gotthard-Tunnel gesperrt war, waren wir schon nahe am Abgrund. Schreibtechnisch eh, und irgendwie schien auch unser Leben auf diesem Pass in Gefahr. Das musste jetzt mal geschrieben werden, damit Sie wissen, das Schreiben ganz schön gefährlich sein kann. Da wir am Wochenende auch noch aus unserer Bergvilla ausziehen mussten, weil wir sie eben nur bis vergangenen Samstag gebucht hatten, mussten wir uns auch noch eine neue Bleibe suchen. Die Deutschen bleiben halt gerne im Tessin. Und nun sitze ich hier, und habe viel Nonsens geschrieben, was mir aber gegönnt sei. Man muss auch mal schreiben dürfen, ohne vorher zu denken. Normal gilt beim Schreiben das Prinzip des Stoppschildes: Erst halten, dann schalten. In Blogs kann dies aber ruhig mal überfahren werden.
Apropos: Da fällt mir doch noch ne gute Geschichte ein. Und zwar von dem Bayer, der ebenfalls bei uns wohnt und der für die Preußen in Berlin seine Texte schreibt. Für eine Revoluzzer-Zeitung (für die Räteselfreunde unter Ihnen). Er ist sehr naturverbunden, sagt er, und schreibt auch gerne über Berge. Letztens war er wandern und sah einen Fasan auf der Straße stehen. Direkt in einer Serpentinenkurve. Mein Kollege dachte: „Man, wenn jetzt hier einer kommt und nicht hält sondern durchrast, ist der Fasan tot.“ Eine schreckliche Vorstellung. Und so nahm er einen kleinen Stein und warf ihn in Richtung Fasan. „Damit er wegfliegt“, sagte mein Kollege. Doch leider traf er den Fasan so unglücklich mit dem Stein, dass das Tier sofort tot war. Drei Tage lang hat unser Kollege nicht darüber gesprochen, ehe es aus ihm heraus brach. Er teilte uns sein Unglück per Mail mit. Schreiben kann also auch eine Wanderung aus dem Schweigen sein. So jetzt habe ich aber genug geschrieben.