Gipfelstürmer und Alpenträume
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Dein Kommentar: Die Hobbyfan-Problematik

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Kommentierter Beitrag

Die zwei Tage in Wien waren aufschlussreich. Nicht nur, dass wir nun wissen, dass Deutschland gegen Österreich mit 1:0 gewinnen kann. Wir fühlten uns auch in der Annahme bestätigt, dass ein Großteil der deutschen Fans in den diesjährigen EM-Stadienkurven die Bezeichnung Fan nicht verdient hat. Zumindest, wenn man unter dem „Fan in der Kurve“ folgendes versteht: Er ist emotional, trägt ein Trikot, ist des Öfteren tätowiert und auch gerne mal besoffen. Er würde zu Auswärtsspielen zu Fuß gehen, unter Brücken oder in der Bahnhofsmission schlafen, nur um sein Team zu sehen und zu unterstützen. Dazu kann er „You’ll never walk alone“ auswendig grölen, ohne es verstehen zu müssen. Er beschimpft ständig den Schiedsrichter, natürlich auch den gegnerischen Fan, mit dem er, wenn er denn ein guter Fan ist, nach dem Spiel Pils trinkt und sich verbrüdert. Doch vor allem ist er eines: Er ist LAUT. Unterm Strich sorgt er damit dafür, was gemeinhin als gute Stimmung in Stadien umschrieben wird. Solchen Fans gehören in der Bundesliga (noch) die Kurven, sie unterstützen, auch wenn es schlecht läuft.
Solche Fans gibt es in den deutschen EM-Kurven aber immer seltener. Sie gehören zu einer aussterbenden Spezies und werden gnadenlos von den so genannten Hobbyfans verdrängt. Hobbyfans sehen so aus: Sie reisen mit dem Flieger an, wohnen mindestens in einem Vier-Sterne-Hotel, tragen in ihrer Freizeit Anzüge und verstehen den Text von „Youl’ll never walk alone“, kennen aber das Lied nicht. Beruflich haben sie irgendwas mit den EM-Sponsoren zu tun, von denen sie sich die Karten, Flug, Hotel und Transfer zum Stadion schenken lassen. Manche von ihnen sind so gefühlskalt in Sachen Fußball, dass sie diese Karten dann gewinnbringend verkaufen. Auch an Fans der gegnerischen Mannschaften. Hauptsache der Preis stimmt. So kam es wohl auch, dass beim Spiel in Klagenfurt gegen die Kroaten deren Fans mächtig in der Überzahl waren. Das waren übrigens nahezu alles „echte Fans“, vielleicht weil das kroatische Volk nicht so gute Beziehungen zu Sponsoren hat.
Natürlich gibt es unter den Hobbyfans auch Fußball-Rocker, aber sie sind selten und sie halten sich oft bedeckt, wenn sie neben ihrem Chef in der Kurve sitzen, der sich gerade darüber beschwert, dass der echte Fan vor ihm partout nicht sitzen will. Und so kommt es, dass die deutsche EM-Kurve leise ist, und wir in Wien zur Erkenntnis gelangten, dass der echte Fan in deutschen Kurven vor dem Aussterben steht und lediglich in EM-Reservaten, auch Fan-Zone genannt, leben darf. Da der echte Fan nun mal in keiner Gewerkschaft organisiert ist, wird sich daran auch nichts ändern. Und das ist schade. Auch für die deutsche Mannschaft, die mit Sicherheit den „Zwölften Mann“ gut gebrauchen könnte. Vor allem gegen Portugal.