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Kommentierter Beitrag

Was hat dieses kleine Wort doch schon für Unheil angerichtet. Oder besser gesagt: Wie viel Unheil geschieht auf dieser Erde immer noch im Namen der Ehre?
Natürlich ist dieses Wort auch negativ vorbelastet und spätestens nach dem Verschwinden von Worf, dem Klingonen, von den bundesdeutschen Mattscheiben auch aus unserem Wortschatz gestrichen. Zumindest aus dem Wortschatz, der für die Beschreibung unseres Lebensstils notwendig ist. Zwischen stylisch, innovativ, dynamisch und ähnlichen Begriffen ist ehrenvoll einfach nicht mehr vorhanden.
Sollte man sich jedoch nicht fragen, ob man sich nicht wieder etwas mehr an diesen Grundsatz erinnern sollte: ehrenvoll leben?
Was bedeutet das im Einzelnen? Muß ich von nun an meine Tochter umbringen, wenn sie vor ihrer Hochzeit mit einem anderen Mann geschlafen hat? So ist das sicherlich nicht gemeint. Im Grunde genommen ist Ehre doch nichts anderes, als daß man darauf achtet, nicht Gegenstand der Lästerei Dritter zu werden. Denn wer sich ehrenvoll verhält, über den gibt es nichts zu erzählen.
Aber dennoch graust es mir davor, die Dorfältesten darüber entscheiden zu lassen, ob ich ehrenvoll oder auch nicht gehandelt habe. Da ihr Handeln nicht wirklich diesem Prinzip der Ehre entspricht (denn ich beschwere mich ja darüber, daß sie stänkern und quasseln), sollten sie auch nicht in der Position sein, mein Verhalten zu urteilen und ganz bestimmt nicht mein Maßstab sein. Vorbilder stelle ich mir anders vor.
Also muß etwas anderes her. Man könnte Ehre nach uralten Erfahrungen definieren. Herausfinden, wie man in früheren Zeiten jeglicher Epoche Konflikte löste und diese Ansätze als seine Lebensmaximen bestimmen. Zwei Probleme sehe ich darin allerdings. Ich möchte nicht in jeder Situation meines Lebens an die 500 Ge- und Verbote am Mann haben. Das zum Einen. Und ganz bestimmt ließen sich nicht alle Lösungsansätze in die heutige Zeit übertragen. Es ist einfach nicht mehr zeitgemäß seine Tochter zu töten, weil auf dem Laken der Hochzeitsnacht kein Blut zu sehen ist. Finde ich. Tut mir leid, dass ich immer wieder darauf zurückkomme, aber mir fällt gerade kein krasseres Beispiel ein. Und die Rechtssprechung dieses Staates gibt mir da sicher Recht. Das zum Andern.
Bei allen zukünftigen Ansätzen nach einer Definition von Ehre sollte man also die Rechtsstaatlichkeit als Grundlage nehmen. Daher kann man von vorneherein ausschließen, daß die Frage nach Ehre etwas mit Leben und Tod zu tun hat. Eine christliche Maxime ist immerhin die Nächstenliebe und damit auch das Gebot zu Verzeihen - wie ließe sich so etwas vereinbaren.
Weder Erfahrungen vorheriger Epochen noch aktuelle erfahrene Menschen kann man also zu Rate ziehen. Wenn es demnach keine ansetzbaren reellen Maßstäbe gibt, muß man auf virtuelle zurückgreifen. Man könnte also all die Menschen, die man zu den nettesten zählt, diejenigen, auf die man sich immer verlassen kann, die niemals jemanden verletzen würden, die sich selbst für Schwächere opfern würden, in Gedanken zusammenbringen und darüber urteilen lassen, was man zu tun gedenkt. Eine Möglichkeit.
Oder aber, man blickt hinter diese Menschen und sucht sich die Grundsätze heraus, nach denen sie leben:
- sie lügen niemanden an
- sagen jedem ehrlich die Meinung
- sie tratschen nicht
- sie verstoßen gegen keine Gesetze
- sie sind nicht linkisch oder neidisch
- sie achten ihren Partner/in
- sie achten jede Beziehung.
- sie haben vor jedem Menschen Respekt.
Und wenn ich mir diese Sätze genau durchlese - und vor allem, je öfter ich sie mir durchlese, desto besser gefallen sie mir.
Und dennoch sind sie uralt. Irgendeiner hat mal aufgeschrieben, dass man sie auf Steintafeln gefunden haben soll. Schon vor mehr als 5000 Jahren hat man 10 Gebote als Grundlage genommen. Und irgendwie doch immer noch aktuell. Seltsam und doch beruhigend, weil etwas so richtiges Bestand hat.